Home (Intro)
aktuell
Liberale 50%?
BT-Wahl 2002
BT-Wahl 2005
Themen
Köln
NRW
Deutschland
Europa
Die Welt
dies und das
Politische Sprache
Freiheit & Gefühl
Freiheit & Moral
Individuum & Kollektiv
Kultur
Zivilisation
Politik & Moral
Staat & Parteien
Staat & Person
Gewalt
Menschenbild
Theorie
Sprache & Methode
handelt der Staat?
Arbeitsplatz
Marktversagen
Kampf-Politiker

Stand: 2. Juni 2004, 11:00

Sprachliche Werkzeuge schärfen

Am 3. Dezember 2003 um 8:20 lief in Deutschland ein Interview in dem geäußert wurde, es komme darauf an eine “an den Menschenrechten orientierte Politik zu betreiben”. Betreiben! Politik wird betrieben. Genauso gut ließe sich dann sagen eine “an den Menschenrechten orientierte Politik zu machen oder, hochtrabend, zu gestalten.”

Wir wissen (Bibliotheken) wie mit Sprache, nicht nur im Politischen, vielfach im Bereich um die Grenze von Wahrheit und Lüge, agiert wird. Also muss sprach- liches Werkzeug im Hinblick auf das aktuelle Bewusstsein optimiert werden. Mit welchen Begriffen und Sätzen erzielen wir die beste Wirkung?

 

Fairness: Im Programm der FDP nunmehr prominent vertreten. Ersatz für das völlig ausgelatschte Wort “Solidarität”

Freiheit: Angenommen (a) Freiheit könne jeden Wert zwischen minus und plus unendlich annehmen, (b) bei obwaltender Sklaverei erreiche Freiheit über alle Individuen einer Gesellschaft den Wert null, (c) Erreiche Freiheit in Deutschland 2004 den beliebigen positiven Wert ffff.

In den herkömmlichen Arien zur Freiheit werden stets die ffff Freiheitseinheiten adressiert. Da null Freiheit, nicht einmal ffff/2 Freiheit zur Debatte steht, wird die Arie übergangen, nicht wahrgenommen. Wenn wir 2004 von Freiheit sprechen/schreiben ist stets ein kleines Delta (Freiheit) um den Wert ffff herum gemeint. Sozialisten und Konservative wollen weniger, Liberale mehr Freiheit. Zur Debatte stehen Freiheit der Sozialversicherung, Freiheit der Ausbildung, Freiheit von Steuern, Freiheit der Lohnvereinbarung, Freiheit von Bürokratie, Freiheit des Bauens, Freiheit zur Nutzung religiöser Symbole (Kopftuchverbot), Freiheit vor Überwachung und sicher andere mehr. Also müssen wir dem Begriff Freiheit jeweils ein Thema zuordnen; nur so ist das liberales Anliegen kommunizierbar.

Frieden. Selbstverständlich, aber nicht um jeden Preis. Etwa dann nicht, wenn “wir” angegriffen werden. Jedoch ist Angriff ebenfalls zu definieren. Etwa die Mas- senkriminalität à la 11. September oder 11. März ist kein Angriff auf “uns” (i.S. von “wir”). Die Wahrscheinlichkeit betroffen zu sein, ist verschwindend gering. Hierbei dürfen wir jenen nicht auf den Leim gehen, die genau das postulieren ... das antiliberale Resultat: Staat ist noch wichtiger und “ich” (wählbar) erst Recht.

Gerechtigkeit, Gleichheit. Hierzu hat Guido Westerwelle, fürs erste vermutlich ausreichend, das Nötige gesagt und geschrieben.

Wohlstand. Der Großverdiener fährt einen Mercedes 999, 20 m lang, Gewicht 5 Tonnen, Höchstgeschwindigkeit 400 km/h; der Kleinverdiener fährt BMW-Mini. Beide zahlen 4 Jahre lang ihr persönliches (gegönnt) Symbol von Freiheit ab. Wer ist glücklicher? Vielleicht doch der Minieigentümer. Wohlstand ist 2004 viel mehr Wohlbefinden als dickes €-Konto. Wohlstand ist herkömmlich sogenannter materieller Wohlstand - ganz praktisch, um die DDR zu denunzieren; die aber ist zum Glück untergegangen. Wer heute noch Wohlstand (in der herkömmlichen Bedeutung) adressiert läuft Gefahr, zur Sprengung des “Systems” beizutragen oder als Simpel bzw. Ignorant bezeichnet zu werden.

 

Hingegen Sozialisten: Sozialstaat, Sozialgerechtigkeit, Solidarität, Verteilung. Das alles mit dem Ziel von viel herkömmlichem Wohlstand. “Prösterchen Jungs, modernisiert weiter ... “

Und Konservative: Der sorgende Obrigkeitsstaat, wenig Ausländer (sind meistens arm), viel Sorglosigkeit (Sicherheit), Leitkultur (Scheuklappen ausgefahren), alle sind gleich in der Mehrheit - Minderheiten gerne unerwünscht. Das alles mit dem Ziel von viel geistiger und sonstiger Bequemlichkeit, d.h., viel Wohlstand. Mit Sarkasmus sei notiert: Sind “wir” bereit zum Untergang? Dann sollten wir konservativ nicht nur sein, sondern auch spenden und wählen.

 

.

Politische Sprache